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Podcast "heute wichtig" Wirecard-Prozess: "Die waren wild, kriminell, liebten Geld und schnelle Autos"

Der Wirecard-Skandal gilt als eine der größten Affären der bundesdeutschen Wirtschaftsgeschichte
Der Wirecard-Skandal gilt als eine der größten Affären der bundesdeutschen Wirtschaftsgeschichte
© Peter Kneffel / DPA
Es ist einer der größten Wirtschaftsskandale in der deutschen Geschichte – doch von zwei mutmaßlich Hauptverantwortlichen steht ab heute nur einer vor Gericht. Die 474 Seiten lange Anklageschrift handelt von Wirecard, 1,9 Milliarden Euro und Männern, die vor Hochmut strotzten.

"Das war ein Boys-Club. Die waren wild, kriminell, liebten Geld und schnelle Autos." Die Journalistin Bettina Weiguny hat monatelang recherchiert zu einem der größten Wirtschaftsskandale in der deutschen Geschichte. Zu den Wirecard-Männern, Markus Braun und Jan Marsalek. Ersterer muss sich ab diesem Donnerstag vor dem Landgericht München I verantworten.

Dem ehemaligen Konzernchef Braun werden gewerbsmäßiger Bandenbetrug, Untreue, Marktmanipulation und unrichtige Darstellung vorgeworfen. Zweiterer war zuständig für das angeblich ertragreiche Asien-Geschäft, das es am Ende überhaupt nicht gab. Marsalek ist seit Juli 2020 flüchtig. Dabei begann die Geschichte des Online-Bezahldienstes 1999 so hoffnungsvoll.

Wirecard: "Wenn man betrügt, muss man es im großen Stil machen"

Vor der Jahrtausendwende wird Wirecard in München als Online-Bezahldienst gegründet. Anfangs nutzen vor allem Kasinos und Pornoseiten den Dienst, doch Manager wie Braun und Marsalek polieren das anfängliche Schmuddel-Image auf und machen das Start-Up zum Milliardenunternehmen.

Michel Abdollahi
© TVNOW / Andreas Friese

Podcast "heute wichtig"

Klar, meinungsstark, auf die 12: "heute wichtig" ist nicht nur ein Nachrichten-Podcast. Wir setzen Themen und stoßen Debatten an – mit Haltung und auch mal unbequem. Dafür sprechen Host Michel Abdollahi und sein Team aus stern- und RTL-Reporter:innen mit den spannendsten Menschen aus Politik, Gesellschaft und Unterhaltung. Sie lassen alle Stimmen zu Wort kommen, die leisen und die lauten. Wer "heute wichtig" hört, startet informiert in den Tag und kann fundiert mitreden.

Politikerinnen und Politiker hoffen in den 2000er-Jahren auf ein deutsches Google, so Bettina Weiguny: "Wirecard war der Liebling aller Deutschen, ein wunderbares, florierendes Dax-Unternehmen, das alle glücklich gemacht hat. (...) Mit dem kleinen Problem, dass eben kein Geld da war." Durch falsche Bilanzen werden die Einnahmen aufgebläht. 2018 zieht das Unternehmen in den Dax ein und ist zwischenzeitlich mehr wert als die Lufthansa oder die Deutsche Bank.

Doch 2019 fällt auf, das Geld fehlt. Im Juni 2020 wird das fehlende Geld auf 1,9 Milliarden Euro beziffert, das angeblich auf den Philippinen liegen soll. Aber dort gibt es kein Geld. Die große Summe macht es wohl möglich, dass der Betrug erst so spät aufgefallen ist, glaubt Weiguny: "Es heißt ja immer: Wenn man betrügt, muss man es im richtig großen Stil machen. Weil sich das dann keiner mehr vorstellen kann." Heute ist Wirecard insolvent.

Der Wirecard-Prozess vor dem Münchner Landgericht I beginnt

Bettina Weiguny hat für den Podcast "Chasing Marsalek – Exit Wirecard" mit Beteiligten gesprochen und den flüchtigen Jan Marsalek gesucht. Sie hat auch ein Buch geschrieben über den Fall, der sie bis heute nicht loslässt, sagt sie in der 421. Folge des Morgenpodcasts "heute wichtig".

Nun beginnt ein riesiger Prozess vor Gericht, bei dem sich die Münchner Staatsanwalt alle Mühe gegeben hat, ihn wasserdicht zu machen. 340 Firmen wurden dafür überprüft und 450 Menschen, zusammengefasst auf einer 474-seitigen Anklageschrift. Vor Gericht stehen neben Ex-Chef Markus Braun auch zwei weitere Ex-Vorstände. Braun saß die letzten zwei Jahre in Untersuchungshaft. Die Schattenfigur Jan Marsalek wird in Russland vermutet, genau weiß man es aber nicht. Das Mammutverfahren wird sich voraussichtlich bis 2024 ziehen. Ob der Hauptschuldige am Ende gefunden wird und diese Schuld zweifelsfrei vor Gericht nachgewiesen werden kann, ist noch unklar, sagt Weiguny: "Ich bin gespannt, ob wir je erfahren werden, wer diesen Betrug wirklich begangen hat."

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