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Atemwegserkrankung Was Eltern über das RS-Virus wissen müssen

Baby ist krank mit RS-Virus und wird beim Arzt abgehört
Vor allem Säuglinge und Kleinkindern infizieren sich mit dem RS-Virus.
© eggeeggjiew / Getty Images
Die RS-Welle rollt aktuell durch Deutschland. Viele Kinder haben Husten oder Schnupfen. Doch gerade bei den Kleinsten kann eine Infektion schlimmer sein als eine normale Erkältung. Wann Eltern mit ihrem Kind unbedingt in die Kinderarztpraxis gehen sollten.

Inhaltsverzeichnis

Derzeit hustet und schnupft es fast überall. Die Wartezimmer von Kinderarztpraxen sind voll und die Kinderkliniken sind überlastet. Eine RS-Welle verursacht derzeit viele Krankheitsfälle.

Was ist das RS-Virus?

Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist ein weltweit verbreitetes Virus. Der Erreger löst Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege aus – Menschen jeden Alters können sich mit dem Virus infizieren. Es ist aber einer der bedeutendsten Erreger von Atemwegsinfektionen bei Säuglingen und Kleinkindern, informiert das Robert Koch-Institut (RKI). Das Virus ist saisonal unterwegs und löst jedes Jahr im Winter eine Krankheitswelle aus. Bis zu seinem zweiten Geburtstag haben sich normalerweise nahezu alle Kinder schon einmal mit dem Virus infiziert.

Das Virus wird über Tröpfchen übertragen. "Es wird angenommen, dass eine Übertragung auch indirekt über kontaminierte Hände, Gegenstände und Oberflächen möglich ist", schreibt das RKI.

Was sind typische Symptome?

Wer sich mit dem Virus angesteckt hat, zeigt in der Regel nach vier bis sechs Tagen Symptome. Bei den meisten Erwachsenen und Kindern verläuft die Infektion mild und es treten Erkältungssymptome auf. Eine Erkrankung dauert meist drei bis zwölf Tage.

Typische Symptome laut der US-Gesundheitsbehörde CDC sind:

  • eine laufende Nase
  • Abnahme des Appetits
  • Husten
  • Niesen
  • Fieber
  • Keuchen

In der Regel treten die Symptome nicht alle auf einmal auf, sondern stufenweise. Bei sehr jungen Säuglingen kann sich eine Infektion mit RSV anders zeigen. Ihre einzigen Symptome sind Reizbarkeit, verminderte Aktivität und Atembeschwerden.

Bei welchen Anzeichen spricht man von einem schweren Verlauf?

Das Problem bei einer RSV-Infektion ist, dass sie sich auf die unteren Atemwege ausbreiten kann und eine Lungenentzündung oder Bronchiolitis verursachen kann. Bei der Bronchiolitis entzünden sich die Bronchien. Dabei schwellen die Schleimhäute an und es bildet sich ein Schleim, der den Kindern das Atmen schwer macht.

Anzeichen einer Bronchiolitis oder Lungenentzündung können starker Husten, ein hohes Geräusch beim Ausatmen, schnelles Atmen oder Atembeschwerden oder eine bläuliche Hautfarbe (durch einen Sauerstoffmangel verursacht) sein.

Wann sollten Eltern eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen?

"Sobald die Symptome schwerer werden und das Kind schneller zu atmen beginnt, keucht oder komische Geräusche beim Atmen erzeugt, die Nasenflügel sich aufblähen, sollten Eltern umgehend ihren Kinder- und Jugendarzt kontaktieren", rät Kinderarzt Dr. Ulrich Fegeler in einer Mitteilung des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Die Mayo Clinic informiert darüber, dass jeder und jede infizierte Person sofort eine Arztpraxis aufsuchen sollte, wenn sehr hohes Fieber oder Atembeschwerden auftreten. Auch wenn die Haut bläulich verfärbt ist oder an der Lippe oder im Nagelbett blaue Verfärbungen zu sehen sind, ist dies ein Warnsignal.

Außerdem sollten Eltern bei kleinen Kindern auch auf das Ess- und Trinkverhalten achten, wenn sie weniger als die Hälfte essen und trinken als normal, sollte unbedingt ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden, rät der britische Gesundheitsdienst NHS.

Ist die Kinderarztpraxis geschlossen, kann der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 angerufen werden, sie können Auskunft darüber geben, wo die nächste Anlaufstelle ist.

Wie werden Kinder im Krankenhaus behandelt?

Laut RKI wird hauptsächlich darauf geachtet, dass die Kinder genug Flüssigkeit aufnehmen und die Nase wird freigehalten. Bei schweren Fällen kann es auch nötig sein, dass den Kindern Sauerstoff gegeben wird oder sie beatmet werden müssen.

Für wen ist das RS-Virus gefährlich?

Das Virus kann eine einfache Atemwegsinfektion hervorrufen, aber in besonders schlimmen Fällen auch zum Tod führen. Frühgeborene, Kinder mit Herzfehlern mit vermehrter Lungendurchblutung und Kinder mit Vorerkrankungen der Lunge haben ein erhöhtes Risiko, schwer an einer RSV-Infektion zu erkranken. "Schwere, mit Krankenhausaufenthalt verbundene RSV-bedingte Erkrankungen bei Kindern betreffen etwa doppelt so oft Jungen wie Mädchen", schreibt das RKI.

Bei Erwachsenen gehören zu den Risikopatient:innen Menschen mit Vorerkrankungen an Lunge und Herz, immungeschwächte Personen und besonders Empfänger:innen von Lungen- oder anderen Organtransplantaten.

Gibt es einen Impfstoff gegen das RS-Virus?

Es gibt aktuell noch keinen Impfstoff gegen das RS-Virus. Allerdings wird an einem Impfstoff geforscht.

Wie kann man einer Infektion vorbeugen?

Das RKI erklärt, dass Kinder, die Risikopatient:innen sind, eine Immunprophylaxe machen können. Dabei bekommen die Kinder während der RSV-Saison quasi eine passive Impfung mit einem monoklonalen Antikörper. Damit kann das Risiko, schwer zu erkranken, reduziert werden.

Eine Vorsichtsmaßnahme ist, dass Eltern ihre Kinder und Babys von erkälteten Personen fernhalten. Wer selbst niesen oder husten muss, sollte in dies in die Armbeuge tun. Außerdem ist regelmäßiges Händewaschen wichtig.

Warum erkranken in diesem Jahr so viele Kinder an dem RS-Virus?

Gerald Gaß, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) sagte gegenüber dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland", dass es in diesem Jahr eine besonders starke RS-Welle gebe. Er hat auch eine Vermutung warum: "Es gibt wahrscheinlich eine Art Nachholeffekt, denn in den vergangenen Jahren haben Kinder durch Corona-Maßnahmen wie Kita-Schließungen weniger Kontakt mit Viren gehabt."

Wie sieht die Lage in den Kliniken aus?

In der ganzen Bundesrepublik melden Kinderklinen, dass sie angesichts der aktuellen RS-Welle stark überlastet sind. Die Lage an den Kinderkliniken ist derzeit katastrophal, sagt Intensivmediziner Florian Hoffman im Gespräch mit dem stern. Er berichtet aus München: "Die vier großen Münchner Kinderkliniken haben seit Wochen kein freies Bett, alle vier sind durchgehend bei der Rettungsleitstelle abgemeldet."

Quellen:  RKI,CDC, NHS, RND,BVKJ, Mayo Clinic

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