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Krieg in der Ukraine Putins Reserven – Kreml schickt 200 neue Kampfpanzer des Typs T-90M in die Ukraine

Screenshot aus dem Video des Senders NTV.
Screenshot aus dem Video des Senders NTV.
Angeblich stellt der Kreml der selbsternannten "Volksrepublik Luhansk" 200 Panzer zur Verfügung. Der T-90 M ist der modernste und gefährlichste Panzer auf den Schlachtfeldern der Ukraine.

Der Westen hofft, dass die schwache Wirtschaft Russlands die Verluste des Ukraine-Krieges nicht ausgleichen kann. Und dass die Kampfkraft der Invasionsarmee zusammenbrechen wird, sobald kein Nachschub mehr ankommt.

Doch nun hat der russische Fernsehsender NTV ein Video veröffentlicht, das eine Lieferung neuer Panzer an die Streitkräfte der sogenannten "Volksrepublik" von Luhansk zeigt. Das Gebiet hatte sich 2014 von der Ukraine abgespalten, prorussische Separatisten erklärten es einseitig zur Republik. Die Separatisten sollen eine Lieferung von 200 Kampfpanzern des Typs T-90M-Panzer erhalten. In dem Video ist allerdings nur ein Teil davon zu sehen. Laut dem Sender kommen die Panzer direkt aus der Fabrik Uralwagonsawod in Nischni Tagil.

Zu Beginn der Invasion setzte Russland vor allem die älteren T-72 Modelle ein. Doch in den letzten Wochen schickte der Kreml verstärkt Panzer des Typs T-90 ins Gefecht.  Der T-90 ist die neueste Baureihe, die noch aus der UdSSR stammt. Der revolutionäre T-14 Armata wurde bislang nur in kleinen Mengen gebaut und ist immer noch nicht im regulären Truppendienst.

Modernste Version des T-90

Wie auch im Westen werden die alten Panzer aus dem Kalten Krieg auch in Russland kontinuierlich modernisiert. Der T-90M ist die neueste Generation des T-90. Erstmals wurde er 2017 vorgestellt. Er ist mit einer neuen 2A46M-4-Kanone bewaffnet. Neben ihrer panzerbrechenden Munition kann sie auch eine Panzerabwehrlenkwaffe abschießen. Eine Rakete, die nicht nur gegen Bodenziele, sondern auch gegen niedrig fliegende Hubschrauber eingesetzt werden kann. Auch größere Kampfdrohnen müssen sie bekämpfen können. Dazu ist der Panzer mit einem leichten 7,62-mm-Maschinengewehr bewaffnet, das parallel zur Hauptwaffe eingebaut ist. Auf dem Turm befindet sich ein schweres 12,7-mm-Maschinengewehr.

Leistungsfähige Panzerung

Angeblich soll die Panzerung des T-90 M allen modernen Panzerabwehrraketen (ATGMs - Anti-Tank Guided Missiles) widerstehen können, weil sie mit der modernsten Generation der russischen reaktiven Panzerung Relikt ausgestattet sind. Die Relikt-Boxen sind über der eigentlichen Panzerung montiert und explodieren, wenn sie von einer Rakete getroffen werden. Durch diese Ablenkung kann der "Schneidstrahl" der ATGM nicht auf dem Stahl ansetzen. Bislang hat sich die russische reaktive Panzerung allerdings als wenig effizient erwiesen. Zusätzlich schützt sich der T-90 M it einem aktiven Schutzsystem (Afganit Active Protection System). So ein aktives System verfügt über Sensoren, die eine anfliegende Rakete erfassen, in ihre Richtung wird dann eine Explosion ausgelöst – wie ein großer Schrotschuss. So soll die Rakete unmittelbar vor dem Ziel abgeschossen werden. Dazu besitzt T-90 M ein automatisches Zielverfolgungs- und Feuerleitsystem.

Ob der T-90 M wirklich so unverwundbar ist, wie behauptet, muss sich zeigen. Auf jeden Fall ist er der mit Abstand modernste Kampfpanzer auf dem Schlachtfeld. Kiew verfügt über modernisierte T-64BM Bulat aus eigener Produktion, sofern sie den Krieg überlebt haben, und T-72 Panzer. Von diesem Typ hat Kiew mehrere Hundert Exemplare aus dem Ausland, namentlich aus Polen und der Slowakei erhalten. Diese Panzer bildeten das Rückgrat der Einheiten, die an den erfolgreichen Offensiven bei Charkow und Cherson beteiligt waren.

Enorme Zahl, wenn sie stimmt

Sollte sich die Zahl aus dem Video bewahrheiten, wären das sehr schlechte Nachrichten für Kiew. Hieß es doch, dass Moskau nur einen Frontabschnitt mit immerhin 200 modernen Kampfpanzern verstärken kann. Zur Einordnung: Die Bundeswehr verfügt über knapp 300 Leopard II Panzer, die aber nicht allesamt auf den neuesten Stand gebracht werden. Ganze 17 Stück werden derzeit mit einem aktiven Schutzsystem ausgerüstet. Mit den 200 T-90 könnte man vier ganze Panzerbrigaden aufstellen.

Zu Beginn des Krieges hatte Kiew etwa 850 T-64 im Dienst, ein Großteil von ihnen dürfte inzwischen ausgefallen sein. Diese Verluste wurden durch die Lieferung von Sowjetpanzern von den Verbündeten im Sommer ausgeglichen. Auch hier werden die erfolgreichen Offensiven im Herbst die Bestände dezimiert haben. Für Kiew stellt sich erneut die Panzerfrage. Wo kommen bei Fortgang der Kampfhandlungen neue Kampfpanzer her, wenn die eingesetzten Panzer permanent abgenutzt werden?

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