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Podcast "heute wichtig" Das verflixte erste Jahr der Ampel: Aufsteigerin Baerbock, Besserwisser Scholz und Verlierer Lindner

Annalena Baerbock und Olaf Scholz schauen sich gegenseitig an
Seit einem Jahr sind Annalena Baerbock und Olaf Scholz die prägenden Figuren der Ampelkoalition
© Michael Kappeler / DPA
"Ziemlich mies" – so beurteilt der Politikwissenschaftler, Jurist und Redakteur Albrecht von Lucke, das erste Jahr der Ampel. Wie viel Fortschritt steckt in der "Fortschrittskoalition" von Olaf Scholz und wer sind die Gewinner und Verlierer des Jahres?

"In der Performance, also in der Wahrnehmung der Bevölkerung, in dem Auftritt als Koalition, kann man von durchwachsen nicht mehr sprechen, da muss man leider von ziemlich mies sprechen und das zeigen ja auch die Werte. Die Bevölkerung hat allergrößten Zweifel, ob diese Koalition diesen Herausforderungen gerecht wird", sagt Albrecht von Lucke in der 422. Folge des Podcasts "heute wichtig". Der Politikexperte war schon von Anfang an kein Freund davon, wie viel Hype um diese neue Ampel gemacht wurde, doch mit dem 24. Februar, dem Beginn des Krieges von Russland gegen die Ukraine, war der Honeymoon von Scholz, Baerbock, Habeck und Lindner endgültig vorbei.

Olaf Scholz, der Besserwisser

Im Gespräch mit "heute wichtig"-Host Michel Abdollahi, attestiert Albrecht von Lucke Bundeskanzler Olaf Scholz eine gewisse Überheblichkeit: "Niemand weiß die Dinge besser als Olaf Scholz, so ist seine Überzeugung seit 20 Jahren. Er hat es übrigens mit dieser Auto-Suggestion auch weit gebracht. Vor zwei Jahren hätte kein Mensch einen Pfifferling auf Olaf Scholz gegeben, hätte er sich nicht jedes Mal autosuggestiv gesagt: Ich komme noch ins Kanzleramt." Und auch den Satz "Wer Führung bestellt, der bekommt sie auch", habe Scholz nicht eingelöst. Der Politikwissenschaftler sieht bei Olaf Scholz eine gewisse Ideenlosigkeit und auch an Führung mangle es dem Kanzler.

Annalena Baerbock – die Aufsteigerin des Jahres

Im "heute wichtig"-Interview macht Albrecht von Lucke klar, der Redakteur bei der Monatszeitschrift "Blätter für deutsche und internationale Politik" ist, wer für ihn eine besonders gute Figur in der Ampelkoalition macht: die Außenministerin. Besonders im Umgang mit Russland habe sie sich auf der internationalen Bühne viel Respekt verschafft: "Annalena Baerbock hat gleich sehr schnell an Statur gewonnen, erinnern wir uns daran, wie sie Herrn Lawrow den Schneid abgekauft hat, obwohl viele geglaubt haben, mit diesem ausgekochten Profi des Diplomatischen, mit diesem harten Hund, der da so viele hat abblitzen lassen, sie ist ihm auf Augenhöhe begegnet. Sie hat dann sehr schnell nach Beginn des Krieges, in der UN-Vollversammlung die Mehrheiten gebildet, die in der Lage waren, eine klare Abstimmung zu Lasten Russlands zu bewerkstelligen."

Die Grünen führen diese Koalition an 

Die Gesamt-Performance der Ampelkoalition sieht von Lucke als "ziemlich mies" an, doch gerade die Grünen, würden besonders gut bei den Menschen ankommen, was auch Umfragen belegen. "Die Werte der zwei grünen, tragenden Figuren dieser Koalition, Baerbock und Habeck, sind massiv besser als die Werte von Olaf Scholz. Von Christian Lindner ganz zu schweigen und der FDP. Das heißt, es gibt hier eine Diskrepanz, dass die Wahrnehmung von Frau Baerbock in weiten Teilen sehr positiv war. Ich würde ihr sogar ankreiden, dass sie dem Kanzler zu sehr in die Parade gefahren ist", sagt Albrecht von Lucke bei "heute wichtig" und spielt damit auf den Hinweis an, den die Außenministerin dem Bundeskanzler vor seiner schwierigen China-Reise mitgegeben hatte.  

Die Regierung hatte es zum Start, gerade durch den Krieg in der Ukraine, besonders schwer – doch im nächsten Jahr wird sich zeigen müssen, wie SPD, Grüne und FDP zusammen harmonieren, wenn sich einige Krisen wieder gelegt haben.

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