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Mythencheck Wer erkältet ist, sollte auf Milch verzichten – stimmt's?

Milch auf dem Tisch
Wir alle haben schon gehört, dass Milchtrinken bei einer Erkältung keine gute Idee ist.
© Elena Medoks / Getty Images
Jetzt in der kalten Jahreszeit grassieren wieder viele Viren, die einen Atemwegsinfekt verursachen. Wer sich eine Erkältung eingefangen hat, hält sich oft an altbewährte Tipps, zum Beispiel keine Milch zu trinken. Wir erklären, ob es wirklich ein guter Ratschlag ist.

Es kratzt im Hals, die Nase läuft und der Kopf ist dicht – typische Symptome bei einer Erkältung. Gerade in der kalten Jahreszeit liegen viele Menschen mit einem Atemwegsinfekt flach. Um die Symptome zu lindern, gibt es allerlei Hausmittel. Und auch solche Weisheiten, die besagen, was wir besser lassen sollten, wenn wir erkältet sind. Ein Satz, den wahrscheinlich jeder und jede schon einmal gehört hat: "Wer erkältet ist, sollte keine Milch trinken." Aber stimmt das wirklich?

Michael Deeg
Dr. Michael Deeg ist HNO-Arzt in Freiburg. Er ist Landesvorsitzender für Baden im Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte.
© privat

Der Glaube, dass Milchtrinken zu einer vermehrten Verschleimung bei Atemwegsinfekten führe, sei weit verbreitet, sagt HNO-Arzt Dr. Michael Deeg. "Es ist allerdings ein uralter Mythos. Es lässt sich weder durch Experimente noch durch die Inhaltsstoffe der Milch erklären, wie sie zu einer verstärkten Verschleimung führen sollte. Außerdem ist es unmöglich, dass die Milch einen Effekt auf die tieferen Atemwege wie die Bronchien hat – dort kann sie gar nicht hingelangen." Wer also gerne Milch trinken möchte, wenn er erkältet ist, kann dies tun. Es wird keinen negativen Effekt auf die Erkältungssymptome haben.

Bei Halsschmerzen kann Milch wohltuend sein

Ganz entgegen dem Mythos hat Milch sogar einen positiven Effekt: "Bei einem stark gereizten Rachen, der sich wie ein Reibeisen anfühlt, kann es angenehm sein, mit lauwarmer Milch zu gurgeln oder eine warme Milch mit Honig zu trinken." Trifft die Milch auf den Speichel, bildet sich eine Emulsion, weil sich die fetthaltige Milch im Wasser nicht auflöst – und diese Emulsion sei wohltuend für die gereizte Schleimhaut. "Damit man diesen positiven lokalen Effekt spüren kann, sollte die Milch nicht heiß sein. Am angenehmsten ist es, wenn sie nicht über 40 Grad warm ist", sagt der HNO-Arzt.

Woher der Glaube komme, dass Milch bei Erkältungen schlecht ist, dafür hat Michael Deeg eine Idee – er könnte aus dem Mittelalter stammen. "Es gab die sogenannte Säftetheorie. Jeder Körper enthält danach Säfte: Blut, Galle und Schleim. Hatte ein Mensch eine Krankheit, dachte man, es läge an einem Ungleichgewicht dieser Säfte." Michael Deeg führt weiter aus: "Infekte der Atemwege bezeichnete man als Schleimkrankheit. Wenn man diesen Patient:innen etwas zuführte, was den Schleim noch verstärken könnte, galt dies eben als Fehler. Ich kann mir vorstellen, dass so der Irrglaube mit der Milch entstanden ist."

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