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Atemwegsinfekte Hohe Krankenstände: Wie Kliniken, Busse, Bahnen, Schulen und Kitas den Betrieb einschränken müssen

Frau ist krank und zu Hause
Viele Mitarbeiter:innen fallen derzeit aus, weil sie mit einem Infekt flach liegen – wie sich der hohe Krankenstand in Unternehmen auswirkt.
© Tero Vesalainen / Getty Images
RS-Viren, Corona- und Influenzaviren sorgen derzeit für hohe Krankenstände. Wie sich die dezimierte Mitarbeiterzahl in Bahnunternehmen, Kitas, Schulen und Kliniken auswirkt.

An jeder Ecke hustet und schnieft es derzeit. Schuld daran sind in den meisten Fällen RS-Viren oder Influenzaviren, wie das Robert Koch-Institut berichtet. Covid-19 spielt dabei derzeit nur eine vergleichsweise kleine Rolle. Wie stark die Menschen erkrankt sind und wie lange sie ausfallen, ist zum Teil sehr unterschiedlich. Einige Menschen müssen aber auch in Kliniken behandelt werden.

Vor allem in Kinderkliniken ist die Lage durch die vielen kleinen Patient:innen mit RS-Infektion angespannt, wie stern berichtete. Es kommen nicht nur Kranke in die Kliniken, auch viele Beschäftigte in allen Bereichen von Krankenhäusern sind aktuell erkrankt. Auch vor Kitas, Schulen oder Bahnunternehmen macht die Krankheitswelle keinen Halt.

Operationen werden verschoben, Kinder verlegt

Vielerorts müssen die anfallenden Aufgaben durch den hohen Krankenstand mit dezimierter Personalzahl gestemmt werden. "Die Anzahl der Krankheitstage ist in den letzten vier Wochen auch noch einmal deutlich gestiegen. Die Gesamtsumme der akut Erkrankten wird unter einem Drittel der Beschäftigten liegen", berichtet Sprecher Tobias Pott aus dem Universitätsklinikum Düsseldorf. Covid-19-Infektionen würden dabei inzwischen einen vergleichsweise niedrigen Anteil bilden. Vor allem in hochspezialisierten Bereichen sei auch ein niedriger Personalausfall nicht vollständig zu kompensieren. "Wir können derzeit in einigen Bereichen weniger Betten belegen und weniger Behandlungen durchführen."

Auch im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf sehe man derzeit eine steigende Tendenz an Infektionen bei den Mitarbeiter:innen. "Seit Beginn der Pandemie müssen immer wieder geplante und nicht dringliche Operationen verschoben und Betten gesperrt werden. Die Anzahl verschobener Operationen differiert ständig. Es handelt sich um eine geringere Zahl an geplanten Eingriffen", sagt Sprecherin Anja Brandt.

Trotz Ausfällen unter allen Beschäftigten in den Kliniken Köln, zu denen die Krankenhäuser in Holweide, Merheim und das Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße gehören, sei die Versorgung der Patient:innen gesichert, sagt Sprecherin Sigrid Krebs. Oft fallen die Mitarbeiter:innen nur wenige Tage aus, wodurch die Situation von Tag zu Tag unterschiedlich sei. "In Einzelfällen kann es zu Verlegungen von geplanten Operationen kommen. Da derzeit sehr viele Kleinkinder und Heranwachsende erkrankt sind, ist der Zulauf von Patient:innen im Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße außergewöhnlich hoch. Aus diesem Grund kann es zu langen Wartezeiten und Verlegungen in andere Kinderkliniken kommen." Das Team des Kinderkrankenhauses Amsterdamer Straße unternehme alles, um die Versorgung der Patient:innen zu gewährleisten – und gehe dabei an die absolute Belastungsgrenze.

S-Bahnen fallen aus, der Busfahrplan wird dünner

Krankheitsbedingte Personalausfälle bekommen die Bürger:innen auch an anderer Stelle zu spüren. Die Deutsche Bahn muss derzeit vor allem im Regionalverkehr viele Züge ausfallen lassen. In Berlin etwa musste in dieser Woche streckenweise der Takt der S1, S3 und S5 verringert werden, die S75 fuhr zeitweise nur alle 20 Minuten. Auf den Linien der S26 und S85 fuhren am Sonntag krankheitsbedingt gar keine Züge. Auch in Stuttgart muss der Takt zweier S-Bahnen und einer Regionalbahn ausgedünnt werden. In Nordrhein-Westfalen häufen sich ebenfalls die Zugausfälle.

"Wie bei nahezu allen Unternehmen in Deutschland ist auch der Krankenstand bei unseren Mitarbeitenden aktuell hoch. Das kann leider regional zu betrieblichen Einschränkungen im Zugverkehr führen", erklärt ein Bahn-Sprecher auf Anfrage. "Wir bedauern die aktuellen Einschränkungen für unsere Fahrgäste sehr."

Die Bahn fügt hinzu, sie versuche die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten und kurzfristig Ersatz zu finden. Aber: "Wenn Krankenstände, wie aktuell zu beobachten, über eine längere Zeit derart hoch sind, dann hilft ein vorübergehend leicht reduziertes Angebot, das wir dann stabil und verlässlich für unsere Kund:innen fahren können." Schon im dritten Quartal dieses Jahres, von Juli bis September, waren bei der DB Regio wegen Personalmangels 18.676 Fahrten ausgefallen – im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum nur 6935 gewesen.

Bei Bahn- und Busfahrer:innen trifft die Krankheitswelle zudem auf eine ohnehin dünne Personaldecke. Die Berliner Verkehrsgesellschaft BVG hat schon nach den Sommerferien den regulären Busfahrplan um drei Prozent aller Fahrten zurechtgestutzt, weil Fahrer:innen fehlen. Weitere Fahrplanänderungen bei Bus und Bahn aufgrund der Krankenstände seien derzeit nicht vorgesehen, sagt ein BVG-Sprecher.

Auch andere Verkehrsgesellschaften, wie die Hamburger Hochbahn und die Münchener Verkehrsgesellschaft MVG, setzen auf leicht ausgedünnte Fahrpläne. "Bei einer überdurchschnittlichen Krankenquote, wie wir sie derzeit verzeichnen, besteht die Gefahr, dass Fahrten spontan ausfallen, da bei Krankmeldungen niemand einspringen kann", sagt ein Hochbahn-Sprecher. Um ungeplante Fahrtausfälle zu vermeiden, hat der Verkehrsbetrieb das Angebot daher seit November auf einigen Bus- und Bahnlinien planmäßig leicht reduziert. Zudem seien private Busunternehmen beauftragt, einzelne Fahrten zu übernehmen. "Aufgrund der anhaltend hohen Krankenquote haben wir entschieden, diese Anpassungen bis zumindest Mitte Januar fortzusetzen."

Schulen und Kitas stark betroffen

Besonders hart schlägt die Erkältungswelle da zu, wo viele Kinder auf engem Raum zusammenkommen: in Kitas und Schulen. In Berlin sind je nach Schule bis zu 40 Prozent der Schülerinnnen und Schüler krank, berichtet der "Tagesspiegel". In Hamburg ist derzeit jede sechste Lehrkraft krank gemeldet. An einzelnen Schulen seien die personellen Engpässe so groß, dass "teilweise der Schulbetrieb eingeschränkt ist", sagt ein Sprecher der Schulbehörde dem stern.

Auch in Hamburger Kitas kann es derzeit dazu kommen, dass Gruppen zusammengelegt werden müssen oder Leistungen im Früh- und Spätdienst eingeschränkt werden müssen, sagt ein Sprecher der städtischen Elbkinder-Kitas. "Eine komplette Schließung aufgrund von Krankheitsausfällen war jedoch in den Elbkinder-Kitas aktuell noch nicht nötig." Andernorts und insbesondere in kleinen Einrichtungen dürfte es schon so weit sein. In Berlin sind derzeit laut "Tagesspiegel" 35 Kita-Gruppen oder die gesamte Einrichtung geschlossen. 90 weitere Kitas hätten eingeschränkte Öffnungszeiten. Erfahrungen, die wohl viele Eltern im ganzen Land gerade machen.

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