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Raider-Rollout B-21 Raider – darum bekam der modernste Bomber der Welt so eine lausige Premiere

Interessant sind die schmalen Einlässe an der Oberseite.
Interessant sind die schmalen Einlässe an der Oberseite.
© Commons
Der Bomber B-21 Raider soll das neue Überflugzeug der USA werden. Vollgestopft mit Elektronik kann er unerkannt in Gebiete eindringen, die von starker Luftabwehr geschützt werden. Doch bei der Premiere wurde mehr versteckt als gezeigt.

Am 2. Dezember zeigte die US Air Force erstmals das neue Über-Flugzeug: den B-21 Raider. Zuvor gab es von dem Programm nur Renderings zu sehen. Nun gab es Bomber "in Person" zu sehen, und zwar in der historischen Plant-42 von Northrop Grumman in Palmdale, Kalifornien. Doch viel zu entdecken gab es bei der Premiere nicht. Der Bomber wirkte unscharf, verloren in einem Gegenlicht, von einer Nebelmaschine wurde das Licht in eine Aureole verwandelt. Andere Perspektiven als von vorn gab es nicht zu sehen. Nahaufnahmen und eine Rundum-Führung mit der Kamera – alles Fehlanzeige.

Das beste und teuerste Flugzeug aller Zeiten bekam die beschissenste Premiere spendiert, wunderten sich einige. Dabei hat das seinen Grund. Geht es nach den Militärs, würde man den Superbomber vermutlich gar nicht zu Gesicht bekommen. Allein wegen der ungeheuren Kosten des Programms ist dieser Wunsch illusorisch. Angesichts der Milliarden, die das B-21- Programm verschlingt, muss der Öffentlichkeit auch ein echter Bomber geboten werden. Renderings und Papp-Modelle reichen nicht.

Dennoch soll man nur so wenig erkennen können, wie nur möglich. Denn bei einem Stealth-Bomber verrät die äußere Form mehr Geheimnisse als den Konstrukteuren lieb sein kann. Die Besucher mussten alle Kameras und Smartphones abgeben, der Bomber blieb unter dem Dach des Hangars, so dass Satelliten ihn nicht aufnehmen konnten.

Möglichts nichts verraten 

Einige Dinge kann man von außen nicht erkennen. Etwa die Leistungen des elektronischen Systems. Auch der B-21 Bomber soll wie die F-35 zu einer integrierten elektronischen Kampfführung fähig sein. Das heißt, das Flugzeug ist kein Allein-Kämpfer, seine Sensoren und Systeme arbeiten im Verbund mit anderen Waffen. Der B-21 ist ein Supercomputer, der nebenbei auch noch fliegen kann. Er ist ein zentraler Baustein in der Next Generation Air Dominance (NGAD) Plattform.

Aber auch wenn man die Elektronik nicht mit einem Video abschätzen kann, werden Experten die Lage möglicher Sensoren unter der Haut des Jets erkennen können.

Wie unsichtbar ist die Stealth-Technik?

"Stealth" bedeutet "verborgen", diese Fähigkeit wird gern mit Wörtern wie "Tarnkappenbomber" umschrieben. Tatsächlich meint "stealth" zunächst nur eines: Konventionelle Radaranlagen können einen Stealth-Jet nur schwer erfassen, weil sein Radarquerschnitt stark verkleinert wurde. Übersetzt bedeutet das: Der Bomber reflektiert nur sehr wenige Radarstrahlen, so viel wie ein sehr viel kleineres Objekt. Zu dem kleinen Schatten tragen zwei Faktoren maßgeblich bei. Zum einen sind Oberflächen mit einer Spezialbeschichtung überzogen. Im Zweiten Weltkrieg hat man den Schnorchel von U-Booten aus diesem Grund mit Gummi überzogen. Heute ist das ein Material, dessen Moleküle mit Zustandsänderungen auf Radarstrahlen reagieren und so die Wellen "schlucken" und kaum etwas zurückwerfen. Die Fähigkeiten der Beschichtung kann man optisch bei der Präsentation kaum feststellen. Ganz anders sieht es aber mit dem zweiten Faktor aus: der Form des Jets, sie wird so gewählt, dass sie kaum reflektiert. Und diese Form ist von außen mit Kameras genau auszumachen.

Was es zu sehen gab, entsprach den bereits gezeigten offiziellen Renderings. Der Raider ist deutlich kleiner als der B-2 Spirit und besitzt glattere Konturen. Der B-21 Bomber hat schmale Cockpitfenster, sehr kleine Motoreinlässe. Bei geringeren Außenmaßen ist der Raum vergleichsweise sehr geräumig.

Design des Nurflüglers

Der B-21 Bomber hat - wie alle Tarnkappenbomber – die Form eines sogenannten Nurflüglers. Sie geht auf Maschinen des Zweiten Weltkrieges zurück Die Brüder Horton konstruierten boomerangförmige Flugzeuge der H-Reihe, daraus sollte der Düsenjäger Gotha Go 229 (oder auch: Horten Ho 229) entstehen. Doch kam die Produktion während des Krieges nicht über Prototypen hinaus.

Flügel und Rumpf bilden bei einem Nurflügler eine Einheit und gehen ohne Kanten ineinander über, ebenso fehlt ein aufragendes Leitwerk. Das sind beste Stealth-Voraussetzungen, um den Radarschatten klein zu halten, darf es keine Ecken und Kanten geben. Im Querschnitt von vorn gleicht auch der B-21 Raider einem Falken. An der Form des Rumpfes und seiner Größe, können Experten genau die Leistung der Triebwerke und die mögliche Nutz- und Bombenlast der Maschine abschätzen.

Aus einem Video kann leicht ein exaktes dreidimensionales Modell des Bombers gemacht werden. An ihm kann dann die komplexe Strömungsdynamik um den Jet herum ermittelt werden. Die optische Präsentation liefert allen interessierten Ländern ein 3-D-Modell für den Windkanal frei Haus.

Besonders "geheim" sind die Luftein- und Auslässe der Triebwerke. Sie sind neuralgische Punkte, weil sie Öffnungen in der ansonsten glatten Oberfläche des Bombers darstellen. Ihre Größe lässt weite Rückschlüsse über die Triebwerke und deren Leistung und weitere Kunstgriffe der Konstrukteure zu. Die Lufteinlässe liegen auf der Oberseite, um sie vor dem Strahl von bodengestützten Radarsystemen zu verbergen. Die Abgase der B-21 werden gekühlt.

"Stealth" bedeutet heute mehr als nur ein kleiner Radarquerschnitt. Der Bomber sollte auch mit anderen Methoden als dem Radar nicht aufgespürt werden können. Und das eine große Herausforderung, denn trotz "Tarnkappe" ist der B-21 Raider nicht "unsichtbar" und kann mit optischen Mitteln wie jedes andere Flugzeug wahrgenommen werden. Form von Jet und die Art der Triebwerke müssen daher auch die Hitzesignatur der Gase unterdrücken, die aus den Triebwerken strömt. Ebenso muss der Bomber versuchen, einen möglichst kleinen Luftwirbel hinter sich herzuziehen – durch dessen Spur man seine Position berechnen kann. Letztlich ist die Tarnung eine endlose Aufgabe. Schall, Hitze, Vibrationen, Änderungen des Magnetfeldes – alles muss reduziert werden, damit der Gegner den Bomber nicht aufspüren kann.

Zahlreiche Interessenten 

Und die Maßnahmen, die so etwas verhindern sollen, sind von außen sehr wohl zu erkennen. Darum sind neuralgische Bauteile häufig abgedeckt – so wie der Antrieb von U-Booten beim Stapellauf. Die aufwändigere Variante wäre es, diese Bauteile – etwa die Lufteinlässe - mit Teilen aus Kunststoff geschickt zu verkleiden, so dass der Bomber für den Laien realistisch aussieht – aber dennoch seine wahre Gestalt verbirgt.

In jedem Fall ist Vorsicht bei der Präsentation sinnvoll. Zahlreiche Länder arbeiten an Stealth-Programmen, darunter die potenziellen Gegner der USA, aber nicht nur sie. Und die Experten all dieser Staaten werden die Produkte der US-Rüstungsindustrie, die nach wie vor führend in der Stealthtechnik ist, genauestens analysieren, um so die eigenen Projekte zu verbessern.

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